Geschichte

Der Nassauer Hof in Hattersheim

Der Nassauer Hof in Hattersheim

Der Nassauer Hof kann auf eine fast 200-jährige wechselvolle Geschichte zurückblicken. Seine Blütezeit erlebte er in der Ära der Postkutschen.

Erst die technischen Errungenschaften der Neuzeit - die Dampfmaschinen und Eisenbahnen - bedeuteten ab der Mitte des 19. Jahrhunderts das „Aus“ für den traditionsreichen Gasthof. Nach der Restaurierung vor wenigen Jahren ist der „schöne Reisegasthof zwischen Frankfurt und Mainz“ zu neuem Leben erweckt worden.


Der Anfang

Der Hattersheimer Posthalter Adam Werle schenkte 1817 seinem Neffen Carl ein Grundstück gegenüber der Hattersheimer Posthalterei der Fürsten von Thurn und Taxis, die mit Ihrer Pferdewechselstation zu einer der größten in Deutschland gehörte. 1818/19 erbaute der Neffe auf dem Areal den Reisegasthof „Nassauer Hof“.

Die Lage

Die Lage war günstig gewählt: Hattersheim, an der bedeutenden Handels- und Heerstraße zwischen der kurmainzischen Stadt Mainz, der Residenzstadt Wiesbaden und der Handels- und Messestadt Frankfurt am Main gelegen, profitierte vom Personen- und Güterverkehr. Bis zu 72.000 Pferde jährlich passierten Hattersheim und brachten Reisende in das damalige Dorf, die bewirtet werden wollten.

Die Gäste

Die Gäste

Gutsituierte und vornehme, internationale Gäste, die zu Pferd oder mit Kutschen in Hattersheim ankamen, kehrten zu einer Rast im „Nassauer Hof“ ein. Noch heute kann jeder Gast die originalen Fensterscheiben der „Verkehrswirtschaft“ bewundern, in denen sie mit ihren Diamantringen ihre Namen einritzten oder sich mit „launigen“ Sprüchen verewigten. Die so genannten „Ritzfenster“ sind ein originelles Gästebuch, das seinesgleichen sucht. Die biedermeierlich-klassizistische Ausstattung und Ausmalung der Gaststube und Logierräume entsprach dem damaligen Zeitgeschmack und ist in einer selten anzutreffenden Vielfältigkeit erhalten.


Das vorläufige Ende

Bis zum Bau der Taunuseisenbahn zwischen Frankfurt und Wiesbaden 1840 florierte das Geschäft. Gegenüber den Kutschen entwickelten sich die „Dampfrösser“ zu einer ernsthaften Konkurrenz. Immer weniger Reisende nahmen die beschwerlichen Kutschfahrten auf sich und entschieden sich für die bequemere und schnellere Bahnfahrt.
Umsatzeinbußen bei den Hattersheimer Wirten waren unvermeidlich. Schließlich wurde der „Nassauer Hof“ 1854 verkauft. Die neuen Eigentümer, Philipp Wilhelm Schlocker und seine Ehefrau Caroline Christine, wandelten das Anwesen in ein landwirtschaftliches Gut um, das fast bis Ende des 20. Jahrhunderts im Familienbesitz blieb.

Der Neubeginn

Der Neubeginn

1986 erwarb die Stadt Hattersheim am Main das Anwesen und veräußert dies schließlich 2001 an die hiesige Wohnungsbaugesellschaft. Im selben Jahr begannen die Arbeiten für eine grundlegende Sanierung der Hofanlage, die 2004 abgeschlossen werden konnten. Für die vorbildliche Restaurierung wurde der Stadt Hattersheim am Main und der Hattersheimer Wohnungsbaugesellschaft der Denkmalschutzpreis des Landes Hessen verliehen.


Heute beherbergen die Gebäude der geschlossenen Hofanlage die Gaststätte, die Büros des Kulturforums Hattersheim, das Stadtarchiv, die Geschäftsstelle des Geschichtsvereins, Veranstaltungsräume sowie diverse Büros. Als Erinnerung an den ehemaligen Besitzer Wilhelm Schlocker, stellt der Geschichtsverein in der früheren Remise seine restaurierte Landauer aus.

Der Nassauer Hof vor- und nach der Restaurierung

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